Die Schulung des Pferdes
Die Vorbereitung eines Pferdes auf das Reiten im Damensattel beginnt mit der Grunderziehung. Alles was man dem Pferd beibringt, steht und fällt im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Grundgehorsam. Das Damensattelpferd muß also neben bequemen Gängen und einer guten Bemuskelung einen ehrlichen Charakter haben und zuverlässig sein.
Die eigentliche Vorbereitung des Pferdes beginnt mit der Gewöhnung an die veränderte Hilfengebung. Man legt, während man noch im Herrensattel sitzt, öfters das linke Bein vor den Sattel auf den Pferdehals und gewöhnt das Pferd daran, dass zukünftig das rechte Bein auf der linken Pferdeschulter liegt. Mit viel Lob und Lekkerlis wird dies jedes Pferd schnell akzeptieren.
Kitzlige Pferde müssen zudem an den Balance-Gurt gewöhnt werden, der von der linken vordersten Gurtstrupfe diagonal um den Pferdebauch zum rechten Außenrand des Sattel-Endes verläuft und recht straff gegurtet wird!
Neu ist für das Pferd außerdem die größere Auflagefläche des Sattel, der sehr viel länger ist als ein Herrensattel derselben Sitzgröße:
Benötigt eine Dame mit Konfektionsgröße 38 einen  Herrensattel mit ca. 17,5 Zoll Sitzgröße, so kann die Länge ihres Damensattels je nach ihrer Oberschenkellänge durchauß 21 -22 Zoll betragen. Besonders in der Niere empfindliche Pferde müssen sich erst daran gewöhnen. Zusätzlich sitzt die Reiterin dadurch viel weiter hinten, was ihren Schwerpunkt ebenfalls nach hinten verlagert.


Die perfekte Konstellation: Eine DS-erfahrene Reiterin stellt ein reell ausgebildetes Pferd auf das Reiten im Damensattel um. Links neben- stehendes Bild: Einleiten der Piaffe aus dem Schritt. Eine Lektion, die dem Pferd im Herrensattel schwer fällt, gelingt hier immer besser. Das Schweifschlagen resultiert aus der Verärgerung des Pferdes über den Reitstock als Wade. Bisher wurde es ohne Gerte geritten.
Dahingegen ist die eigentliche Ausbildung des Pferdes für das Damen- sattel-Reiten gar kein so schweres Unterfangen, wenn man bisher bereits mit feinen Hilfen geritten ist und das Pferd sich selbst ausbalanciert trägt. Steht ein Pferd fein an den Gewichtshilfen, wird es den fehlenden rechten Reiterschenkel nicht vermissen. Hat es keine Angst vor der Gerte, kann man den Reitstock (für das Pferd verständlich) als rechte Wade einsetzen. Etwaig abgestumpfte Pferde müssen an dieser Stelle resensibilisiert werden.

 


 

 

Ungünstige Konstellation: Beide lernen gemeinsam.

 

Die Schülerin reitet est seit kurzem im Damensattel. Mit viel Geduld und Gefühl, läßt sich diese Situation unter steter Anleitung meistern. Die Schülerin (im Vordergrund) reitet neben ihrer Lehrerin her und kann sich mit ihrem Pferd zusammen alles abschauen und sich zeitgleich abstimmen. Und damit ist die Situation eigentlich perfekt und nicht ungünstig  :-))

 


 

 

Praxisbeispiel: Das Erlernen des Komplimentes

Das Kompliment wird vom Pferd unter dem ungewohnten Damensattel noch mal neu erlernt: dieses Pferd bräuchte die Gerte am linken Vorderbein und traut sich noch nicht, sich unter die Länge des DS zu wölben. Auch das Lockern der Gurte ist hilfreich.

 

Diese Lipizzanerstute kann das Kompliment praktischerweise bereitsohne linke Gerte und nur auf Stimme und Gewicht. Man erkennt gut, wie stark der Bauch angespannt wird. Im Gegensatz zum vorherigen braunen Pferd, beugt die Stute gut ihre Hanken.

 

 

 

Das Kompliment läßt sich weiter ausbauen. Hier der Moment zwischen Knien und Hinlegen: die Stute tritt weit unter den Schwerpunkt und zieht die Vorderbeine ein. Die Reiterin muß weiterhin im rechten Winkel zum Boden (im Lot) ausbalanciert sitzen.