Alta Escuela
   
Startseite Über uns Kontakt Impressum
  Datum: 07.02.2012


 

Gedankenanstöße über den perfekten Sattel - Teil 4

Schulsattel oder Pritschensattel

Dieses Mal geht es um die Frage, bis wann kann man das Pferd in der Ausbildung mit einem Flachsattel reiten bzw. ab wann macht ein Schulsattel Sinn. In den 3 vorherigen Teilen dieser Sattel-Serie wurde erklärt, wie wichtig für das Pferd Kissen als Unterseite sind und für den Reiter ein flacher Sitz. Da ein guter (!) Schulsattel über beides verfügt, kann man sein Pferd vom ersten Tag an damit reiten. Nur der Reiter muss kritisch Acht geben, dass das (im besten Fall) altsämisch gegerbte Leder ihn nicht zum Klammern verleitet. Der verführerische Halt in diesen Sätteln hilft später bei den Schulsprüngen – so benötigt man keine hohen Galerien oder Pauschen.

Damit sind nur dem Pritschensattel Grenzen gesetzt. Selbst wenn er mit altsämisch gegerbtem Hirschleder bezogen ist, benötigt es ab den Schulsprüngen wenigstens hinten eine Galerie. Man benötigt also nicht unbedingt 2 Sättel, wobei eine schweinslederne Pritsche für die alltägliche Arbeit praktischer und lehrreicher ist ;-)

(noch mal zur Erklärung: mit Kissen sind schafwoll-gefüllt Flanell-Kissen gemeint, die in der größe und Form des Sattels sind. Sie laufen keilförmig zur Pferderippe hin aus. Mit Polster sind seitlich in der Breite beschränkte "Lederschläuche" gemeint, die längs auf den Rückenstreckern aufliegen. Im Besten Fall sind es mit Schafwolle gefüllte Filzkissen, die wiederum mit Leder bezogen sind. Manchmal werden sie auch als "französische Kissen" bezeichnet.)

An dieser Stelle kommt jetzt doch noch ein "Aber!" Denn nicht gemeint sind:

  • relativ enge Sitzfläche und hohe Zwiesel für festen Halt (die Entscheidung dafür könnte man dann treffen, wenn das Pferd Courbette und Capriole springt und man es nicht aussitzen kann)
  • hohe Pauschen am vorderen Teil des Sattelblattes, damit die Beine des Reiters nicht zu weit nach vorn rutschen und Galerien, die sich dem Sitz zuwenden – kein Argument, wenn man sitzen lernen will
  • tiefer statt flacher Sitz. Oft werden "Barock-Sättel" angeboten, die einen tiefen Sitz haben und tailliert sind oder von Baum und Sitz sogar tiefe Dressursättel in Barocker Verpackung sind
  • Polster statt Kissen: links Kissen (Vorteile sind im 1. Teil der Sattel-Serie beschrieben), untenstehend abgebildet sind Polster und Panel unterschiedlicher/fragwürdiger Zweckdienlichkeit

Die Rechtfertigung, man lehne sich an die Sättel der alten Reitmeister an, zählt nicht. Die Frage lautet: welche Epoche und welcher Zweck der Reiterei entspricht meinen Zielen? Will ich Show reiten und benötige für die dort dargestellte Geschichts-Epoche authentische Ausrüstung oder suche ich für die tägliche Arbeit einen Sattel, der meine und des Pferdes Entwicklung unterstützt?

 
Weitere Tips


Druckansicht

... dieses Praxistips hier.